º Heinrich Heine - CAPUT III - Ein WintermĂ€rchen
21.01.2007 ºtbadeCAPUT III
Zu Aachen, im alten Dome, liegt
Carolus Magnus begraben.
(Man muĂ ihn nicht verwechseln mit Karl
Mayer, der lebt in Schwaben.)
Ich möchte nicht tot und begraben sein
Als Kaiser zu Aachen im Dome;
Weit lieber lebt’ ich als kleinster Poet
Zu Stukkert am Neckarstrome. Lesen Sie weiter.. »
º Heinrich Heine - CAPUT II - Ein WintermĂ€rchen
21.01.2007 ºtbadeCAPUT II
WĂ€hrend die Kleine von Himmelslust
Getrillert und musizieret,
Ward von den preuĂischen Douaniers
Mein Koffer visitieret.
BeschnĂŒffelten alles, kramten herum
In Hemden, Hosen, SchnupftĂŒchern;
Sie suchten nach Spitzen, nach Bijouterien,
Auch nach verbotenen BĂŒchern. Lesen Sie weiter.. »
º Heinrich Heine - CAPUT I - Ein WintermĂ€rchen
21.01.2007 ºtbadeCAPUT I
Im traurigen Monat November war’s,
Die Tage wurden trĂŒber,
Der Wind riĂ von den BĂ€umen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinĂŒber.
Und als ich an die Grenze kam,
Da fĂŒhlt ich ein stĂ€rkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen. Lesen Sie weiter.. »
º Heinrich Heine - Vorwort - Ein WintermĂ€rchen
21.01.2007 ºtbadeHeinrich Heine
Deutschland.
Ein WintermÀrchen
Vorwort
Das nachstehende Gedicht schrieb ich im diesjĂ€hrigen Monat Januar zu Paris, und die freie Luft des Ortes wehete in manche Strophe weit schĂ€rfer hinein, als mir eigentlich lieb war. Ich unterlieĂ nicht, schon gleich zu mildern und auszuscheiden, was mit dem deutschen Klima unvertrĂ€glich schien. Nichtsdestoweniger, als ich das Manuskript im Monat MĂ€rz an meinen Verleger nach Hamburg schickte, wurden mir noch mannigfache Bedenklichkeiten in ErwĂ€gung gestellt. Ich muĂte mich dem fatalen GeschĂ€fte des Umarbeitens nochmals unterziehen, und da mag es wohl geschehen sein, daĂ die ernsten Töne mehr als nötig abgedĂ€mpft oder von den Schellen des Humors gar zu heiter ĂŒberklingelt wurden. Einigen nackten Gedanken habe ich im hastigen Unmut ihre FeigenblĂ€tter wieder abgerissen, und zimperlich spröde Ohren habe ich vielleicht verletzt. Es ist mir leid, aber ich tröste mich mit dem BewuĂtsein, daĂ gröĂere Autoren sich Ă€hnliche Vergehen zuschulden kommen lieĂen. Lesen Sie weiter.. »
º Französische ZustĂ€nde - Artikel I
07.01.2007 ºtbadeParis, 28. Dezember 1831
Die erblichen Pairs haben jetzt ihre last speeches gehalten und waren gescheit genug, sich selber fĂŒr tot zu erklĂ€ren, um nicht vom Volke umgebracht zu werden. Dieser Bewegungsgrund ist ihnen von Casimir PĂ©rier ganz besonders ans Herz gelegt worden. Von solcher Seite ist also kein Vorwand zu Emeuten mehr vorhanden. Der Zustand des niedern Volks von Paris ist indessen, wie man sagt, so trostlos, daĂ bei dem geringsten Anlasse, der von auĂen her gegeben wĂŒrde, eine mehr als sonst bedrohliche Emeute stattfinden kann. Ich glaube aber dennoch nicht, daĂ wir solchen AusbrĂŒchen so nahe sind, wie man in diesem Augenblicke behauptet. Nicht als ob ich die Regierung fĂŒr gar zu mĂ€chtig hielte oder die Gegenparteien fĂŒr gar zu kraftlos, im Gegenteil, die Regierung bekundet ihre SchwĂ€che bei jeder Gelegenheit; namentlich geschah dies zur Zeit der Lyoner Unruhen, und was die Gegenparteien betrifft, so sind sie hinreichend erbittert und dĂŒrften obendrein bei Tausenden, die vor Elend sterben, die tollkĂŒhnste UnterstĂŒtzung finden; â aber es ist jetzt kaltes, neblichtes Winterwetter. Lesen Sie weiter.. »
º Französische ZustĂ€nde - Artikel II
07.01.2007 ºtbadeParis, 19. Januar 1832
Der âTempsâ bemerkt heute, daĂ die âAllgemeine Zeitungâ jetzt Artikel liefere, die feindselig gegen die königliche Familie gerichtet seien, und daĂ die deutsche Zensur, die nicht die geringste ĂuĂerung gegen absolute Könige erlaube, gegen einen BĂŒrgerkönig nicht die mindeste Schonung ausĂŒbe. Der âTempsâ ist doch die gescheiteste Zeitschrift der Welt! Mit wenigen milden Worten erreicht er seine Zwecke viel schneller als andere mit ihrer lautesten Polemik. Sein schlauer Wink ist hinreichend verstanden worden, und ich weiĂ wenigstens einen liberalen Schriftsteller, der es jetzt seiner Ehre nicht angemessen hĂ€lt, unter Zensurerlaubnis gegen einen BĂŒrgerkönig die feindliche Sprache zu fĂŒhren, die man ihm gegen einen absoluten König nicht gestatten wĂŒrde. Aber dafĂŒr tue uns Ludwig Philipp auch den einzigen Gefallen, ein BĂŒrgerkönig zu bleiben. Eben weil er den absoluten Königen tĂ€glich Ă€hnlicher wird, mĂŒssen wir ihm grollen. Er ist gewiĂ als Mensch ganz ehren fest und ein achtungswerter Familienvater, zĂ€rtlicher Gatte und guter Ăkonom; Lesen Sie weiter.. »
º Französische ZustĂ€nde - Artikel III
07.01.2007 ºtbadeParis, 10. Februar
Den Verfasser des vorigen Artikels leitete ein richtiger Takt, als er, die Auszeichnungssucht rĂŒgend, die bei den Franzosen mehr als bei deutschen Frauen grassiert, unter den letztern einen deutschen Schriftsteller, der als Kunstkritiker und Ăbersetzer berĂŒhmt ist, ausnahmsweise erwĂ€hnte. Dieser Ausgenommene, welcher der deutschen Unruhen halber, die er selbst durch einige Almanachxenien veranlaĂt, voriges Jahr hieher emigriert und seitdem von Sr. MajestĂ€t dem König Ludwig Philipp I. den Orden der Ehrenlegion erhielt, ist wegen seines rĂŒhrigen Eifers nach Dekorationen von vielen Franzosen leider gar zu sehr bemerkt worden, als daĂ sie nicht durch Hindeutung auf ihn jeden ĂŒberrheinischen Vorwurf der Eitelkeit entkrĂ€ften könnten. Perfide, wie sie sind, haben sie diese Ordensverleihung nicht einmal in den französischen Journalen angezeigt; und da die Deutschen in ihrem Landsmanne sich selbst geehrt fĂŒhlen muĂten und aus Bescheidenheit nicht gern davon sprachen, so ist dieses fĂŒr beide LĂ€nder gleich wichtige Ereignis bis jetzt wenig bekannt worden. Solche Unterlassung und Verschweigung war fĂŒr den neuen Ritter um so verdrieĂlicher, da man in seiner Gegenwart laut flĂŒsterte, der neue Orden, wenn er ihn auch aus den HĂ€nden der Königin erhalten habe, sei durchaus ohne Geltung, solange solche Verleihung nicht im âMoniteurâ angezeigt stehe. Der neue Ritter wĂŒnschte diesem MiĂstande abgeholfen zu sehen, aber leider ergab sich jetzt ein noch bedenklicherer Einspruch, nĂ€mlich daĂ das Patent eines Ordens, den der König verleiht, ganz ohne GĂŒltigkeit sei, solange solches nicht von einem Minister kontrasigniert worden. Unser Ritter hatte durch die Vermittlung der doktrinĂ€ren Verwandten einer berĂŒhmten Dame, bei welcher er einst Kapaun im Korbe war, seinen Orden vom Könige erhalten, und man sagt, dieser habe in seinem ganzen Wesen eine frappante Ăhnlichkeit mit seiner verstorbenen Erzieherin, der Frau v. Genlis, erkannt und letztere noch nach ihrem Tode in ihrem Ebenbilde ehren wollen. Die Minister aber, die beim Anblick des Ritters keine solche gemĂŒtliche Regungen verspĂŒren und ihn irrtĂŒmlich fĂŒr einen deutschen Liberalen halten, fĂŒrchten durch Kontrasignierung des Patents die absoluten Regierungen zu beleidigen. Indessen wird bald eine verstĂ€ndigende Ausgleichung erwartet, und um der Billigung der KontinentalmĂ€chte ganz versichert zu sein, sind Unterhandlungen angeknĂŒpft, die das Kabinett von St. James zu einer Ă€hnlichen Ordensverleihung bewegen mĂŒssen, und Supplikant wird sich deshalb, mit einem Sr. MajestĂ€t dem König Wilhelm IV. dedizierten altindischen Epos, persönlich nach England begeben. FĂŒr die hiesigen Deutschen ist es jedoch ein betrĂŒbendes Schauspiel, ihren hochverehrten schwĂ€chlichen Landsmann, derlei Verzögernisse halber, von Pontius zu Pilatus rennen zu sehen, in Kot und KĂ€lte und in bestĂŒrmender Ungeduld, die um so unbegreiflicher, da ihm doch alle Beispiele indischer Gelassenheit, der ganze âRamayanaâ und der ganze âMahabharataâ, allertröstlichst zu Gebote stehen. Lesen Sie weiter.. »
º Französische ZustĂ€nde - Artikel IV
07.01.2007 ºtbadeParis, 1. MĂ€rz
Die VorgĂ€nge in England nehmen seit einiger Zeit mehr als jemals unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Wir mĂŒssen es uns endlich gestehen, daĂ die offene Feindschaft der absoluten Könige uns minder gefĂ€hrlich ist als des konstitutionellen John Bulls zweideutige Freundschaft. Die völkermeuchelnden Umtriebe der englischen Aristokratie treten bedrohlich genug ans offizielle Tageslicht, und der Nebel von London verhĂŒllt nur noch spĂ€rlich die feinen Schlingen und Knoten, die das konferenzliche Protokollgespinst mit den parlamentarischen FangfĂ€den verknĂŒpfen. Die Diplomatie hat dort tĂ€tiger als jemals ihre geburtstĂŒmlichen Interessen wahrgenommen und emsiger als jemals das verderblichste Gewebe gesponnen, und Herr v. Talleyrand scheint zugleich Spinne und Fliege zu sein. Ist der alte Diplomat nicht mehr so schlau wie weiland, als er, ein zweiter Hephaistos, den gewaltigen Kriegsgott selbst in seinem feingeschmiedeten Netzwerk gefangen? Oder erging’s ihm diesmal wie dem ĂŒberklugen Meister Merlin, der sich in dem eigenen Zauber verstrickt und wortgefesselt und selbstgebannt im Grabe liegt? Aber warum hat man eben Hrn. v. Talleyrand auf einen Posten gestellt, der fĂŒr die Interessen der Juliusrevolution der wichtigste und wo vielmehr die unbeugsame Gradheit eines unbescholtenen BĂŒrgers nötig war? Ich will damit nicht ausdrĂŒcklich sagen, der alte, glatte ehemalige Bischof von Autun sei nicht ehrlich. Im Gegenteil, den Eid, den er jetzt geschworen hat, den hĂ€lt er gewiĂ, denn er ist der dreizehnte. Wir haben freilich keine andere Garantie seiner Ehrlichkeit, aber sie ist hinreichend; denn noch nie hat ein ehrlicher Mann zum dreizehntenmal seinen Eid gebrochen. AuĂerdem versichert man, daĂ Ludwig Philipp in der Abschiedsaudienz noch aus Vorsorge zu ihm gesagt habe: âHerr v. Talleyrand, was man Ihnen auch bieten mag, ich gebe Ihnen immer das Doppelte.â Indessen, bei treulosen Menschen gĂ€be das dennoch keine Sicherheit; denn im Charakter der Treulosigkeit liegt es, daĂ sie sich selbst nicht treu bleibt und daĂ man auch nicht einmal durch Befriedigung des Eigennutzes auf sie rechnen kann. Lesen Sie weiter.. »
º Französische ZustĂ€nde - Artikel V
07.01.2007 ºtbadeParis, 25. MĂ€rz 1832
Der Feldzug nach Belgien, die Blockade von Lissabon und die Einnahme von Ancona sind die drei charakteristischen Heldentaten, womit das Justemilieu nach auĂen seine Kraft, seine Weisheit und seine Herrlichkeit geltend gemacht; im Innern pflĂŒckte es ebenso rĂŒhmliche Lorbeeren unter den Pfeilern des Palais Royal, zu Lyon und zu Grenoble. Nie stand Frankreich so tief in den Augen des Auslandes, nicht einmal zur Zeit der Pompadour und der Dubarry. Man merkt jetzt, daĂ es noch etwas KlĂ€glicheres gibt als eine MĂ€tressenherrschaft. In dem Boudoir einer galanten Dame ist noch immer mehr Ehre zu finden als in dem Comptoir eines Bankiers. Sogar in der Betstube Karls X. hat man nicht so ganz und gar der NationalwĂŒrde vergessen, und von dort aus eroberte man Algier. Diese Eroberung soll, damit die DemĂŒtigung vollstĂ€ndig sei, jetzt aufgegeben werden. Diesen letzten Fetzen von Frankreichs Ehre opfert man dem Trugbilde einer Allianz mit England. Als ob die imaginĂ€re Hoffnung derselben nicht schon genug gekostet habe! Dieser Allianz halber werden sich die Franzosen auch auf der Zitadelle von Ancona blamieren mĂŒssen, wie auf den Ebenen von Belgien und unter den Mauern von Lissabon. Lesen Sie weiter.. »
º Französische ZustĂ€nde - Artikel VI
07.01.2007 ºtbadeParis, 19. April 1832
Nicht den WerkstĂ€tten der Parteien will ich ihren banalen MaĂstab entborgen, um Menschen und Dinge damit zu messen, noch viel weniger will ich Wert und GröĂe derselben nach trĂ€umenden PrivatgefĂŒhlen bestimmen, sondern ich will soviel als möglich parteilos das VerstĂ€ndnis der Gegenwart befördern und den SchlĂŒssel der lĂ€rmenden TagesrĂ€tsel zunĂ€chst in der Vergangenheit suchen. Die Salons lĂŒgen, die GrĂ€ber sind wahr. Aber ach! die Toten, die kalten Sprecher der Geschichte, reden vergebens zur tobenden Menge, die nur die Sprache der Leidenschaft versteht. Lesen Sie weiter.. »