º Taufe und Platen Affäre
Wieder in Göttingen, promovierte Heine im Juli 1825 zum Doktor der Rechte. Um seine Anstellungschancen als Jurist zu erhöhen, hatte er sich im Juni zuvor in Heiligenstadt protestantisch taufen lassen und den Vornamen Christian Johann Heinrich angenommen. Von da an nannte er sich Heinrich Heine. Vor seiner Familie versuchte er, die Taufe möglichst geheim zu halten. Religiös eher indifferent, betrachtete er den Taufschein ohnehin nur als Entréebillet zur europäischen Kultur. Doch er musste feststellen, dass viele Träger dieser Kultur auch einen getauften Juden wie ihn nicht als ihresgleichen akzeptierten. Heine war jedoch nicht bereit, Zurücksetzungen und Kränkungen unwidersprochen hinzunehmen.
Dies zeigte sich besonders deutlich in der so genannten Platen-Affäre: Der Dichter August Graf von Platen griff Heine wegen seiner jüdischen Herkunft öffentlich an, um seine Anstellung an der Münchner Universität zu hintertreiben. Daraufhin machte Heine seinerseits die Homosexualität Platens publik und diesen damit gesellschaftlich unmöglich. In Die Bäder von Lucca bezeichnete er Platen als warmen Freund und schrieb, der Graf sei mehr ein Mann von Steiß als ein Mann von Kopf . Platen ging anschließend nach Italien ins freiwillige Exil. Ohne den Anlass der Affäre zu erwähnen, wurden diese Äußerungen von Gegnern Heines immer wieder als Beleg für dessen angebliche Charakterlosigkeit zitiert.
Die unmittelbaren Folgen der judenfeindlichen Angriffe Platens waren für Heine fatal: König Ludwig I. von Bayern zog das Angebot einer Professur in München zurück, wofür Heine auch ihn mit spöttischen Versen bedachte, etwa in Lobgesänge auf König Ludwig:
Das ist Herr Ludwig von Bayerland.
Desgleichen gibt es wenig;
Das Volk der Bavaren verehrt in ihm
Den angestammelten König.
Aufgrund der Platen-Affäre war Heines letzter Versuch gescheitert, als Jurist eine Anstellung in einem der deutschen Staaten zu erhalten. Die erhofften Folgen der Taufe waren also ausgeblieben, und Heine hat seinen Übertritt zum Christentum später mehrfach ausdrücklich bedauert. Heine entschloss sich daher, für damalige Verhältnisse eher ungewöhnlich, seinen Lebensunterhalt als freischaffender Schriftsteller zu verdienen.
Fast alle Biografen betonen die Bedeutung der jüdischen Herkunft für Heines Leben und Dichtung. Insbesondere der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki vertritt die Ansicht, Heines Emigration nach Paris sei weniger politisch motiviert gewesen als vielmehr durch seine Ausgrenzung aus der deutschen Gesellschaft. In Deutschland sei Heine als Jude immer ein Ausgestoßener gewesen, in Frankreich dagegen als Deutscher nur ein Ausländer.
(Quelle:Wikipedia)